Was bringt mehr Geld: eine Wohnung oder ein Gewerbeobjekt? Viele Anleger in Deutschland fragen sich das genau jetzt, wo die Zinsen hoch sind und die Inflation langsam zurückgeht. Die Antwort ist nicht einfach. Gewerbeimmobilien versprechen höhere Renditen, Wohnimmobilien bieten Sicherheit. Beide haben ihre Vor- und Nachteile. Wer nur auf die Zahlen schaut, läuft Gefahr, etwas Wichtiges zu übersehen.
Wie hoch ist die Rendite wirklich?
Die Bruttomietrendite ist der einfachste Weg, um den Ertrag zu vergleichen. Sie rechnet einfach die jährliche Kaltmiete geteilt durch den Kaufpreis. Ein Wohnhaus in Leipzig mit 250.000 Euro Kaufpreis und 1.000 Euro Miete pro Monat bringt eine Rendite von knapp 4,8 Prozent. Das klingt gut. Aber bei einer Gewerbeimmobilie mit 240.000 Euro Kaufpreis und 1.500 Euro Miete monatlich liegt die Rendite bei 7,5 Prozent. Das ist fast doppelt so viel.
Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. In der Praxis sieht die Realität anders aus. Im ersten Quartal 2025 lag die durchschnittliche Rendite für Mehrfamilienhäuser bei 3,51 Prozent. Bei Büroflächen in A-Lagen wie Berlin, Hamburg oder Frankfurt waren es 4,20 bis 4,50 Prozent. Shopping-Center hingegen brachten 5,9 Prozent - das ist der Spitzenwert unter allen Gewerbeimmobilien. Logistikimmobilien lagen bei 4,4 Prozent, Fachmärkte bei 4,6 Prozent.
Warum ist das so? Weil Gewerbeimmobilien nicht nur Miete einbringen, sondern auch flexibler sind. Die Miete wird nicht durch Mietspiegel begrenzt, wie bei Wohnungen. Sie wird frei verhandelt. Wenn ein Supermarkt in einem Einkaufszentrum mehr Umsatz macht, kann der Vermieter die Miete erhöhen. Bei einer Wohnung? Da muss man sich an gesetzliche Grenzen halten. Das macht Gewerbeobjekte zu einem besseren Instrument, um von steigenden Mieten zu profitieren.
Was ist mit den Kosten? Bruttorendite vs. Nettorendite
Viele Anleger verwechseln Bruttorendite mit Nettorendite. Das ist ein großer Fehler. Die Bruttorendite sagt nur: Wie viel Miete kommt rein. Die Nettorendite zeigt: Wie viel bleibt nach Steuern, Instandhaltung, Verwaltung und Leerstand.
Ein Bürogebäude mit 1.000.000 Euro Kaufpreis und 60.000 Euro jährlicher Nettokaltmiete hat eine Bruttorendite von 6 Prozent. Aber wenn du 12.000 Euro für Instandhaltung, 8.000 Euro für Verwaltung, 5.000 Euro für Steuern und 3.000 Euro für Leerstand ausgibst, bleibt dir nur noch 32.000 Euro Nettoeinkommen. Die Nettorendite sinkt auf 3,2 Prozent. Das ist fast halb so viel wie die Bruttorendite.
Bei Wohnimmobilien sind die Kosten oft höher als gedacht. Reparaturen, Mieterwechsel, Leerstand, Hausmeister, Hausgeld - das summiert sich. Bei Gewerbeimmobilien übernimmt oft der Mieter die Instandhaltung. Das ist ein riesiger Vorteil. Ein Arzt, der eine Praxis mietet, sorgt für die Sanierung der Böden, der Heizung, der WC-Anlagen. Der Eigentümer zahlt nur den Dachschaden oder die Fassade. Das macht Gewerbeobjekte oft günstiger im Betrieb.
Wie sicher ist der Mietfluss?
Ein Wohnmieter kann kündigen. Ein Gewerbe-Mieter unterschreibt oft einen 10- bis 15-jährigen Vertrag. Das ist kein Zufall. Apotheken, Supermärkte, Banken, Tankstellen - diese Mieter brauchen ihren Standort. Sie investieren viel Geld in Einrichtung und Renovierung. Sie wollen nicht rausziehen. Deshalb zahlen sie für langfristige Sicherheit auch mehr.
Bei Wohnungen ist das anders. Ein Mieter kündigt, wenn er in eine andere Stadt zieht, wenn er Kinder hat oder wenn die Miete zu hoch wird. In Großstädten wie Leipzig oder Köln liegt der durchschnittliche Mieterwechsel bei 3 bis 4 Jahren. Das bedeutet: Jedes dritte Jahr musst du suchen, vermitteln, renovieren, dokumentieren. Und das kostet Zeit und Geld.
Der Mieterbonität ist entscheidend. Ein großer Einzelhändler wie Lidl oder Rewe hat eine hohe Bonität. Er zahlt pünktlich, auch wenn die Wirtschaft schlecht läuft. Ein kleiner Handwerker, der eine Werkstatt mietet? Der kann pleitegehen. Deshalb prüfen seriöse Investoren immer: Wer ist der Mieter? Was verdient er? Hat er einen Konkurs angemeldet?
Wie schwer ist die Finanzierung?
Das ist der größte Haken bei Gewerbeimmobilien. Banken geben für Wohnungen Kredite mit 10 Prozent Eigenkapital. Bei Gewerbeobjekten verlangen sie oft 40 bis 50 Prozent. Warum? Weil sie das Risiko höher einschätzen. Ein Mieterwechsel bei einer Wohnung ist ärgerlich. Ein Mieterwechsel bei einem Bürogebäude kann das ganze Objekt in die Krise stürzen.
Die Deutsche Bundesbank hat das in ihren Berichten mehrfach betont. Gewerbeimmobilien gelten als risikoreicher. Deshalb sind die Zinsen höher. Und die Tilgung strenger. Du kannst nicht einfach 10 Jahre lang nur Zinsen zahlen. Die Bank verlangt eine feste Tilgung von mindestens 2 Prozent pro Jahr.
Das bedeutet: Wer nur 200.000 Euro Eigenkapital hat, kann sich eine Wohnung kaufen. Aber eine Gewerbeimmobilie mit 1 Million Euro Kaufpreis? Da brauchst du mindestens 400.000 Euro. Das schließt viele private Anleger aus. Nur wer genug Geld auf dem Konto hat, kommt wirklich in den Gewerbeimmobilienmarkt.
Wie schnell kannst du verkaufen?
Wohnungen sind liquid. Jeder kennt sie. Jeder will eine. In Leipzig, Dresden oder Stuttgart gibt es immer Käufer. Ein Wohnhaus lässt sich oft innerhalb von 3 bis 6 Monaten verkaufen.
Gewerbeimmobilien? Da ist der Kreis viel kleiner. Nur Investoren, Unternehmen, Fonds kaufen. Und die schauen genau hin: Wie ist die Auslastung? Wie lange läuft der Mietvertrag? Welche Mieter sind da? Was kostet die Sanierung? Das macht den Verkauf langsam. Manchmal dauert es ein Jahr oder länger.
Das ist ein Problem, wenn du plötzlich Geld brauchst. Ein Notfall, eine Krankheit, ein unerwarteter Ausgabenposten - dann bist du gefangen. Du kannst nicht einfach die Wohnung verkaufen und das Geld abheben. Deshalb ist die Liquidität ein entscheidender Faktor. Wer auf Sicherheit und Flexibilität setzt, wählt Wohnungen.
Wo lohnt sich die Investition am meisten?
Es gibt keine perfekte Immobilie. Aber es gibt perfekte Standorte. In A-Lagen - also den teuersten Stadtzentren - sind die Preise hoch, die Renditen niedrig. In Frankfurt, München oder Hamburg kostet eine Gewerbeimmobilie oft 10.000 Euro pro Quadratmeter. Da ist die Rendite kaum noch über 4 Prozent.
Besser sind B- und C-Lagen. Das sind stadtnahe Gebiete, aufstrebende Viertel, ehemalige Industrieareale. In Leipzig-Mitte, in Halle-Neustadt oder in Chemnitz-Süd gibt es viele leerstehende Gewerbeobjekte. Die Preise sind niedrig. Die Mieten steigen. Die Mieter kommen. Ein ehemaliges Lagerhaus in Leipzig-Ost, das du für 800.000 Euro kaufst und als Logistikzentrum vermietest? Du kannst dort 5,5 Prozent Rendite erzielen - und das mit einem 12-jährigen Vertrag bei einem großen Versandhändler.
Die höchsten Leerstandsquoten gibt es aktuell in Frankfurt und Düsseldorf. Das klingt negativ. Aber für den klugen Investor ist das eine Chance. Du kaufst günstig, sanierst, vermietest neu. Und wenn die Nachfrage zurückkommt, steigt der Wert. Das ist kein Risiko. Das ist Strategie.
Was ist die bessere Wahl?
Wenn du ein Anleger bist, der Sicherheit und einfache Verwaltung braucht: Kaufe Wohnungen. Sie sind leicht zu finanzieren, schnell zu verkaufen, gut versichert. Die Rendite ist niedriger, aber stabil.
Wenn du mehr Eigenkapital hast, risikofreudig bist und langfristig denkst: Geh in Gewerbeimmobilien. Die Renditen sind höher, die Verträge länger, die Kosten oft niedriger. Du musst nur auf die Mieter achten, den Standort wählen und dich auf die Finanzierung vorbereiten.
Die meisten Anleger in Deutschland wählen Wohnungen. Das ist verständlich. Aber wer nur auf die Rendite schaut, verpasst die größte Chance. Gewerbeimmobilien sind nicht für alle. Aber für die, die die Regeln verstehen, sind sie die lukrativste Anlageklasse am Markt.
Welche Immobilie hat die höhere Rendite: Wohn- oder Gewerbeimmobilie?
Gewerbeimmobilien haben in der Regel eine höhere Rendite. Während Wohnimmobilien in Deutschland durchschnittlich 3 bis 4 Prozent bringen, liegen Gewerbeimmobilien bei 4,5 bis 7,5 Prozent - je nach Objekttyp und Lage. Shopping-Center und Logistikimmobilien erzielen die höchsten Werte, oft über 5 Prozent. Wohnungen sind stabiler, aber niedriger rentabel.
Warum sind Gewerbeimmobilien schwerer zu finanzieren?
Banken sehen Gewerbeimmobilien als risikoreicher an, weil sie teurer sind, weniger Käufer haben und von nur einem oder wenigen Mietern abhängen. Wenn der Hauptmieter auszieht, kann das Objekt wertlos werden. Deshalb verlangen sie 40 bis 50 Prozent Eigenkapital und höhere Zinsen. Wohnungen dagegen haben einen breiten Käuferkreis und sind deshalb leichter zu finanzieren.
Kann ich mit Wohnimmobilien mehr Geld verdienen als mit Gewerbeimmobilien?
Theoretisch ja - aber nur, wenn du viele Wohnungen kaufst und sie gut verwaltet. Ein einzelnes Wohnhaus bringt selten mehr als 4 Prozent Rendite. Ein Gewerbeobjekt mit 7 Prozent Rendite und 10-jährigem Mietvertrag bringt mehr Cashflow mit weniger Aufwand. Die Gewerbeimmobilie ist effizienter. Aber sie erfordert mehr Kapital und mehr Wissen.
Was ist mit der Inflation? Welche Immobilie schützt besser?
Gewerbeimmobilien schützen besser vor Inflation. Die Mieten können bei Vertragsverlängerung an die Marktentwicklung angepasst werden. Wohnmieten sind durch Mietspiegel begrenzt. Bei Gewerbeobjekten steigt die Miete mit der Inflation - oft sogar darüber. Das macht sie zu einem besseren Inflationsschutz.
Sind Gewerbeimmobilien in B- und C-Lagen risikoreicher?
Nicht unbedingt. B- und C-Lagen haben oft höhere Leerstandsquoten - aber auch niedrigere Preise. Das bedeutet: Du kaufst günstig, kannst sanieren und nachziehen. Viele erfolgreiche Investoren beginnen genau hier. Ein guter Mieter in einer B-Lage bringt mehr Rendite als ein schlechter Mieter in einer A-Lage. Die Risiken sind beherrschbar - wenn du den Standort und den Mieter richtig auswählst.