Ein Einfamilienhaus aus den 1960er-Jahren mit kleinen Zimmern, dunklen Fluren und einer getrennten Küche? Das ist kein Einzelfall. In Österreich und Deutschland stehen Millionen Häuser vor der gleichen Frage: Wände entfernen - ja oder nein? Wer heute einen großzügigen Umbau plant, will mehr als nur neue Tapete. Er will Raumgefühl zurückgewinnen. Licht fließen lassen. Endlich wieder zusammenkommen - ohne durch drei Türen zu laufen.
Warum Wände weg? Es geht um Lebensqualität
Die meisten Häuser, die heute umgebaut werden, sind aus der Zeit, als man noch glaubte, dass jeder Raum eine eigene Tür braucht. Küche, Esszimmer, Wohnzimmer - alle getrennt, oft durch schmale Gänge verbunden. Heute will man offene Räume. Wo die Sonne morgens durch das Fenster in die Küche fällt, soll sie auch bis ins Wohnzimmer scheinen. Wo die Familie kocht, soll man auch mit den Kindern spielen können. Das ist kein Trend. Das ist eine neue Art zu wohnen.Ein Umbau mit Wände entfernen macht ein 120 m²-Haus plötzlich wie 150 m² groß. Das sagt nicht nur ein Architekt. Das sagen Hausbesitzer, die es selbst erlebt haben. Ein Nutzer auf HausGedanken.de schrieb: "Nachdem wir die Wand zwischen Küche und Wohnzimmer rausgenommen haben, fühlt sich unser Haus 30 % größer an. Wir haben endlich Platz zum Atmen."
Das ist der wahre Nutzen: nicht mehr Quadratmeter, sondern mehr Lebensraum. Und das funktioniert nur, wenn die Struktur stimmt. Nicht jede Wand lässt sich einfach rauswerfen.
Tragende Wand oder nicht? Das entscheidet alles
Bevor du einen Hammer ansetzt, musst du wissen: Ist die Wand tragend oder nicht? Das ist der entscheidende Punkt. Tragende Wände halten das Dach, die Decken, die oberen Stockwerke - sie tragen das Gewicht des ganzen Hauses. Eine solche Wand zu entfernen, ohne einen statischen Ersatz einzubauen, ist wie ein Bein abzusägen und zu hoffen, dass das andere noch hält.Ein Statiker prüft das. Nicht du. Nicht dein Nachbar, der mal ein Regal aufgehängt hat. Ein zertifizierter Statiker. Er schaut auf die Baupläne, misst die Lasten, berechnet, wo ein Stahlträger oder ein Betonbalken eingebaut werden muss. Das kostet zwischen 800 € und 2.500 €, je nach Komplexität. Aber das ist kein Aufwand - das ist Versicherung. Ein Fehler hier kann das ganze Haus beschädigen.
Ein Wanddurchbruch für eine Tür - also eine kleine Öffnung - kostet etwa 175 € pro Durchbruch, inklusive Fertigteilsturz. Aber wenn du eine ganze Wand rausnimmst, die 5 Meter lang ist und tragend ist, dann kommt ein Stahlträger hinzu. Der kostet allein 3.000-6.000 €, abhängig von der Länge und Last. Dazu kommen die Arbeiten: Betonbohrungen, Abstützen, Einbau, Verkleidung. Das wird schnell 8.000 € oder mehr.
Nichttragende Wände? Die sind einfacher. Die kosten nur 50 € pro Quadratmeter zum Entfernen. Und wenn du eine neue Wand bauen willst, zahlt man etwa 55 € pro m². Aber auch hier: Vorher prüfen. Vielleicht ist hinter der falschen Wand eine alte Heizungsleitung, eine Elektroleitung oder sogar ein Abwasserkanal. Alles, was du nicht siehst, kann dich teuer treffen.
Die Kosten: Was du wirklich zahlen musst
Ein kompletter Umbau mit Wände entfernen, neuen Boden, Elektro, Heizung, Fenstern - das kostet zwischen 400 € und 650 € pro Quadratmeter. Für ein 120 m²-Haus also 48.000 € bis 78.000 €. Das klingt viel. Aber vergleiche mal:- Fassadendämmung: 100-200 €/m²
- Tapezieren: 16,40 €/m²
- Neue Küche: 10.000-25.000 €
- Grundrissumbau: 400-650 €/m²
Ein Grundrissumbau ist die teuerste Art, ein Haus zu modernisieren - aber auch die wirkungsvollste. Wer nur die Küche erneuert, hat nach zwei Jahren wieder das gleiche Problem: zu enge Räume, kein Lichtfluss, kein Zusammengehörigkeitsgefühl.
Und das ist der große Fehler: Die ersten 30 % der Kosten sind klar. Die restlichen 70 % kommen oft unerwartet. Laut einer Umfrage von Finanztip überschreiten 68 % aller Umbauprojekte das Budget - um durchschnittlich 22 %. Warum? Weil man nicht weiß, was hinter der Wand ist. Asbest in den Putz? Bleirohre in der Heizung? Feuchtigkeit im Mauerwerk? Das sind Standardbefunde in Häusern aus den 50er- bis 80er-Jahren.
Asbestentfernung: 30-45 €/m². Bleirohrsanierung: 25 € pro Meter Leitung. Feuchtigkeitsschäden: 5.000-15.000 €, je nach Ausmaß. Diese Kosten sind nicht im Budget. Sie kommen, wenn du die Wand abbrichst. Deshalb: Vorher Bestandsaufnahme. Ein Bausachverständiger kommt, macht Fotos, nimmt Proben, schreibt einen Bericht. Das kostet 500-1.200 €. Aber es spart dir später 20.000 €.
Baugenehmigung: Der Weg durch die Bürokratie
Du kannst nicht einfach loslegen. In Österreich und Deutschland brauchst du eine Baugenehmigung. Das ist kein Formsache. Das ist ein Prozess. Die Behörde prüft:- Ob die statischen Veränderungen sicher sind
- Ob die neuen Fenster die Energiebilanz verschlechtern
- Ob der neue Grundriss die Nachbarn beeinträchtigt (z. B. durch neue Sichtachsen)
- Ob du die Mindestflächen für Zimmer einhältst (z. B. Schlafzimmer mindestens 9 m²)
Die Wartezeit beträgt durchschnittlich 78 Tage - also mehr als zwei Monate. Manche Gemeinden sind schneller, andere langsamer. In Graz, Salzburg oder Linz kann es länger dauern als in kleineren Orten. Deshalb: Planungsphase mindestens sechs Monate einplanen. Nicht drei. Sechs.
Und hier kommt ein wichtiger Tipp: Kombiniere den Umbau mit einer energetischen Sanierung. Dann bekommst du Fördergelder. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zahlt seit 2024 bis zu 25 % der Kosten als Zuschuss - wenn du gleichzeitig dämmst, Fenster tauscht oder eine Wärmepumpe einbaust. Das sind bis zu 150.000 € an Darlehen und Zuschüssen, die du nutzen kannst. Wer nur die Wände umgestaltet, ohne energetisch zu sanieren, lässt Geld liegen.
Wie du den richtigen Handwerker findest
Ein Architekt? Ein Bauunternehmen? Ein Generalunternehmer? Die Wahl ist entscheidend. Die meisten Hausbesitzer wählen ein regionales Bauunternehmen - das sind 78 % des Marktes. Sie kennen die lokalen Behörden, die Materiallieferanten, die Statiker. Sie sind verlässlich.Wichtig: Hole mindestens fünf Angebote ein. Nicht drei. Fünf. Und vergleiche nicht nur den Preis. Frag nach:
- Wie viele ähnliche Projekte habt ihr in den letzten drei Jahren gemacht?
- Wer macht die Statik? Ist der Statiker im Team oder extern?
- Wie handhabt ihr unvorhergesehene Schadstoffe?
- Wie lange dauert die gesamte Bauphase?
Stiftung Warentest empfiehlt: Lass dir schriftlich zusagen, was bei Verzögerungen passiert. Werden Tage vergütet? Wer trägt die Kosten, wenn die Baugenehmigung länger dauert? Das steht in keinem Standardvertrag. Du musst es einfordern.
Die Schritt-für-Schritt-Planung
Hier ist die klare Abfolge, die funktioniert:- Bestandsaufnahme: Bausachverständiger kommt, prüft Struktur, Schadstoffe, Leitungen. Bericht erstellen.
- Statikprüfung: Zertifizierter Statiker berechnet, welche Wände tragend sind und was als Ersatz nötig ist.
- Architektenplan: Du und der Architekt entwickeln den neuen Grundriss. Welche Räume sollen offen sein? Wo kommen neue Fenster? Wie wird die Heizung verteilt?
- Baugenehmigung: Antrag stellen. Mit allen Unterlagen: Statik, Pläne, Energiekonzept.
- Ausschreibung: Mindestens fünf Handwerker um Angebot bitten. Vergleiche Leistung, nicht nur Preis.
- Bauphase: Zuerst Abbruch, dann statischer Ersatz, dann Elektro, Heizung, Dämmung, Trockenbau, Boden, Farbe. Jeder Schritt muss abgestimmt sein.
- Abnahme: Bauabnahme mit Behörde und Statiker. Nur dann ist der Umbau legal abgeschlossen.
Ein erfahrener Bauleiter spart dir bis zu 18,5 % der Gesamtkosten. Warum? Weil er die Arbeiten koordiniert. Weil er nicht zulässt, dass der Elektriker zu früh kommt und die Wände beschädigt. Weil er die Lieferzeiten kennt. Weil er weiß, wann Asbest abgeholt werden muss - und wie man das richtig dokumentiert.
Was bleibt nach dem Umbau?
Nach sechs Monaten ist der Staub weg. Die neue Küche glänzt. Die offene Wohnküche ist hell. Die Kinder spielen im Wohnzimmer, während du in der Küche Kaffee kochst. Dein Partner sagt: "Das war es wert."Das ist der Erfolg. Nicht der Preis. Nicht die Förderung. Nicht die neue Wandfarbe. Sondern das Gefühl, endlich zu Hause zu sein. Ein Haus, das zu dir passt - nicht zu den Bauplänen von 1972.
Ein großzügiger Umbau ist keine Renovierung. Es ist eine Neugeburt. Und wie bei jeder Geburt: Es ist anstrengend. Es kostet Geld. Es braucht Geduld. Aber wenn es fertig ist, hast du nicht nur mehr Quadratmeter. Du hast mehr Leben.
Kann ich eine tragende Wand selbst entfernen?
Nein. Das ist nicht nur gefährlich, sondern auch illegal. Tragende Wände halten das gesamte Gebäude. Ohne statischen Ersatz - wie einen Stahlträger - droht Einbruch, Risse in Wänden oder sogar ein Einsturz. Nur ein zertifizierter Statiker darf prüfen, ob und wie eine Wand entfernt werden kann. Wer das selbst versucht, haftet bei Schäden mit seinem gesamten Vermögen.
Wie lange dauert ein großzügiger Umbau?
Die gesamte Dauer liegt zwischen drei und sechs Monaten. Die Planungsphase (Statik, Genehmigung, Architekt) dauert meist drei bis vier Monate. Die eigentliche Bauphase - Abbruch, Statik, Elektro, Trockenbau, Ausbau - nimmt zwei bis drei Monate in Anspruch. Wer alles parallel plant, kann die Zeit etwas verkürzen. Aber Eile ist hier fehl am Platz: Jeder Schritt hängt vom vorherigen ab.
Wann lohnt sich ein Umbau finanziell?
Ein Umbau lohnt sich, wenn du das Haus langfristig behalten willst - mindestens fünf bis sieben Jahre. Der Wertzuwachs liegt bei 20-40 %, besonders wenn du energetisch saniert hast. Wer das Haus in zwei Jahren wieder verkaufen will, zahlt meist mehr als der Wertzuwachs. Aber für dich als Bewohner: Der Nutzen ist nicht nur finanziell. Es geht um Lebensqualität, Licht, Raumgefühl. Das ist unbezahlbar.
Kann ich die Förderung auch nach dem Umbau beantragen?
Nein. Die Förderung (BEG) muss vor Baubeginn beantragt werden. Du musst den Antrag stellen, bevor du die erste Wand abbaut. Spätere Anträge werden abgelehnt. Auch wenn du schon alles bezahlt hast. Deshalb: Planung vor dem Kauf der Fliesen. Die Förderung ist nicht nachträglich möglich.
Was ist mit den Nachbarn? Müssen sie zustimmen?
Du brauchst keine schriftliche Zustimmung der Nachbarn - aber du musst sie informieren. Wenn du Fenster vergrößerst, die in ihre Sichtachse fallen, oder wenn deine Baustelle Lärm oder Staub verursacht, können sie Einspruch erheben. Besonders in Reihenhäusern oder dicht bebauten Gebieten. Deshalb: Sprich früh mit deinen Nachbarn. Ein freundliches Gespräch verhindert oft mehr Ärger als ein Brief.
Wie vermeide ich unerwartete Kosten?
Durch eine detaillierte Bestandsaufnahme vorher. Lass einen Bausachverständigen kommen. Er sucht nach Asbest, Schimmel, alten Leitungen, feuchten Wänden. Diese Punkte sind die größten Kostenfallen. Außerdem: Baue eine Reserve von 15-20 % in dein Budget ein. Und halte dich an einen Bauleiter - er verhindert, dass Arbeiten doppelt gemacht werden oder Materialien falsch bestellt werden.