Lecks in Rohren finden und reparieren: Das richtige Vorgehen im Bestandsbau

Lecks in Rohren finden und reparieren: Das richtige Vorgehen im Bestandsbau

Ein tropfender Wasserhahn ist ärgerlich. Ein unsichtbares Leck in den Wänden oder unter dem Estrich kann dein Zuhause innerhalb von Wochen ruinieren. In bestehenden Gebäuden - also in Altbauten oder renovierten Wohnungen - ist das Finden und Reparieren von Lecks in Rohrleitungen eine der komplexesten Aufgaben im Sanierungsbereich. Es geht nicht ums Austauschen von alten Leitungen, sondern um präzises Diagnostizieren, ohne die Wand aufzuschlagen, den Boden aufzubrechen oder die Decke abzuhängen. Und das ist heute möglich - mit der richtigen Methode.

Warum Lecks im Bestand so gefährlich sind

Typische Schäden durch unentdeckte Lecks
Schadensart Entstehungszeitraum Kostenpotenzial
Moldbildung in Wänden 3-6 Monate 5.000-15.000 €
Tragwerkschäden (Holzfeuchte) 1-2 Jahre 10.000-40.000 €
Putz- und Fliesenabplatzungen 2-4 Monate 2.000-8.000 €
Schimmel in Fußbodenheizung 6-12 Monate 15.000-30.000 €

Ein kleiner Tropfen pro Minute - das sind 5 Liter pro Tag, 150 Liter pro Monat. In einem Mehrfamilienhaus mit mehreren Lecks kann das schnell zu tausenden Litern pro Jahr werden. Die meisten Lecks laufen unsichtbar: in der Wand, unter dem Estrich, hinter der Dämmung. Erst wenn der Putz blättert, der Boden knarrt oder der Schimmel riecht, wird es offensichtlich. Doch bis dahin ist der Schaden oft schon irreparabel. Die beste Strategie: Lecks finden, bevor sie sich ausbreiten.

Die fünf Methoden, die heute wirklich funktionieren

Nicht jede Methode passt zu jedem Rohr. Nicht jede Methode funktioniert bei jedem Material. Und eine Methode allein ist fast immer zu wenig. Hier sind die fünf etablierten Techniken, die in der Praxis bewährt sind - mit ihren Stärken und Grenzen.

1. Tracergasmethode: Der Goldstandard

Dies ist die genaueste Methode, wenn es darum geht, winzige Risse oder undichte Anschlüsse zu finden. Ein unschädliches Gasgemisch aus 95 % Stickstoff und 5 % Wasserstoff (Formiergas) wird in das Rohrsystem gepumpt, nachdem es komplett entleert wurde. Das Gas entweicht nur an der Leckstelle - und wird dort mit hochsensiblen Sensoren wie dem Bacharach H10 Pro nachgewiesen. Der Detektor reagiert auf Konzentrationen ab 5 ppm. Das ist so empfindlich, dass er sogar Haarrisse unter 0,05 mm Durchmesser erkennt.

Das Problem? Du musst das gesamte Rohrsystem entleeren. Das geht bei Warmwasserleitungen, die mit Wasser gefüllt sind, nur mit einem kompletten Abstellen der Heizung. Bei Kaltwasserleitungen ist das einfacher. Die Erfolgsquote liegt bei 98,7 % - aber nur, wenn das System wirklich leer ist. Wer das vergisst, macht 28 % der Fehler in der Leckageortung.

2. Elektro-akustische Methode: Der Hörer

Lecks erzeugen Geräusche. Nicht immer hörbar für das menschliche Ohr - aber für spezielle Mikrofone. Mit Kontaktmikrofonen wie dem RD7100 von Radiodetection werden Schallwellen zwischen 1 und 5 kHz aufgefangen. Die Methode funktioniert besonders gut bei Druckwasserleitungen mit Strömungsgeschwindigkeiten über 0,5 m/s. Das ist typisch für Kaltwasserleitungen in Mehrfamilienhäusern.

Aber: Bei Kunststoffrohren mit dicker Dämmung (über 10 mm) oder bei Rohren, die in Beton oder unter Estrich verlegt sind, ist das Signal oft zu schwach. Die Methode ist billig, schnell - aber ungenau, wenn sie allein eingesetzt wird. Die Deutsche Gesellschaft für Schadenverhütung warnt: „Akustische Methoden allein führen in 42 % der Fälle zu falschen Ortungen.“

3. Infrarot-Thermografie: Der Wärmesucher

Wasser hat eine andere Temperatur als die Umgebung. Warmes Wasser in einer Leitung erwärmt die Wand oder den Boden - auch wenn das Leck nur millimetergroß ist. Mit Infrarotkameras wie der FLIR T865 kann man Temperaturunterschiede von 0,03 °C messen. Das ist mehr als genug, um ein Leck in einer Fußbodenheizung zu sehen.

Die Methode ist perfekt für Warmwasserleitungen mit Temperaturen über 35 °C. Die Erfolgsquote liegt bei 92,4 %. Aber: Bei Kaltwasserleitungen, die unter 5 °C liegen, funktioniert sie nicht. Auch bei Estrichdicken über 8 cm oder wenn die Temperaturdifferenz zu gering ist, bleibt die Kamera blind. Die Richtlinie VDS 3020 (09/2024) nennt sie deshalb „erste Wahl für Warmwasser“, aber nur unter den richtigen Bedingungen.

4. Rastermessung: Der Feuchtigkeitsdetektor

Ein neues Verfahren, das besonders in der Sanierung von Bädern und Fußbodenheizungen revolutionär ist. Mit Mikrowellen im 2,45 GHz-Bereich misst das Gerät den Feuchteindex im Estrich oder Putz - ohne Bohren. Die Messung dauert 15-30 Sekunden pro Punkt. Die Genauigkeit liegt bei ±1,5 % relativer Feuchte. Seit September 2025 gibt es die Version 2.0 mit KI-Auswertung - die Genauigkeit steigt auf ±0,7 %.

Das Problem: Metallische Bewehrungen im Estrich (z. B. Stahlmatten über 2 cm Durchmesser) stören das Signal. Die Methode funktioniert nur bei Estrichen bis 15 cm Dicke. Aber: Wenn sie funktioniert, zeigt sie nicht nur die Stelle des Lecks, sondern auch die gesamte Feuchteverteilung - ideal, um zu erkennen, ob das Leck noch aktiv ist oder schon abgetrocknet ist.

5. EFT-Technik: Der Stromdetektor

Bei Anschlüssen an Wänden, Böden oder bei Übergängen zwischen Rohr und Armatur ist die EFT-Technik (Electrical Flux Tracking) unschlagbar. Eine elektrische Spannung von 12-24 V wird angelegt. Wenn Wasser aus dem Rohr austritt, leitet es den Strom - und der Detektor zeigt den Ort an. Die Genauigkeit liegt bei ±5 cm.

Die Methode ist besonders gut für Anschlüsse an Badewannen, Duschen oder Heizkörpern. Aber: Sie funktioniert nur bei leitfähigen Rohrmaterialien. Bei PE-X-Rohren (häufig in Fußbodenheizungen) oder bei nicht geerdeten Systemen versagt sie komplett. Die Deutsche Gesellschaft für Schadenverhütung vergibt hier 4,5 von 5 Sternen - aber mit der klaren Einschränkung: „Ohne Erdung - kein Ergebnis.“

Die perfekte Kombination: Zwei Methoden sind die Regel

Kein Experte arbeitet heute mehr mit nur einer Methode. Die Daten sprechen eine klare Sprache: Die Erfolgsquote steigt von 78,3 % bei Einzelmethoden auf 96,8 % bei Kombinationen. Die Top-Kombination? Tracergas + Thermografie - mit einer Erfolgsquote von 98,1 %. Warum? Tracergas findet das Leck, Thermografie zeigt, ob es sich um eine aktive Feuchtigkeit handelt und wo sich das Wasser verteilt.

Die zweitbeliebteste Kombination: Akustisch + Rastermessung. Das ist besonders sinnvoll bei Fußbodenheizungen, wo die Thermografie versagen kann - etwa bei niedrigen Temperaturen. Die Rastermessung zeigt dann die Feuchte, die akustische Methode bestätigt den Ort.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Mehrfamilienhaus in Köln, 1970er Baujahr. Der Eigentümer hatte Schimmel im Bad. Die erste Firma kam mit einer akustischen Methode - und fand ein Leck an der falschen Stelle. Die zweite Firma kombinierte Tracergas und Thermografie. Das Leck wurde auf ±1,5 cm genau lokalisiert - hinter der Fliese, direkt am Anschluss der Warmwasserleitung. Kein Aufstemmen der Wand nötig. Die Reparatur kostete 1.200 €. Die Folgeschäden, die durch eine falsche Ortung entstanden wären, hätten 3.850 € gekostet.

Schematische Darstellung eines Hauses mit verborgenen Lecks und Technikern, die mehrere Messmethoden verwenden.

Was du vor der Ortung tun musst

Es ist nicht nur wichtig, wie man sucht - sondern auch wie man vorbereitet.

  1. Druckprüfung durchführen: Das Rohrsystem wird mit einem Manometer (z. B. Testo 557) auf Druck geprüft. Ein Druckabfall von mehr als 0,1 bar in 30 Minuten ist ein sicheres Zeichen für ein Leck.
  2. System entleeren: Bei Tracergas muss das Rohr komplett leer sein. Wasser oder Luft im System verfälschen das Ergebnis.
  3. Temperatur stabilisieren: Bei Thermografie muss das Heizsystem mindestens 2 Stunden vorher laufen - und die Raumtemperatur darf nicht schwanken.
  4. Keine Baustellen daneben: Bohrgeräusche, Pumpen oder andere Geräusche stören die akustische Methode. Die Ortung muss in Ruhe erfolgen.

Die Vorbereitungszeit beträgt bei Einfamilienhäusern durchschnittlich 45 Minuten, bei Mehrfamilienhäusern bis zu 120 Minuten. Wer das überspringt, verschwendet Geld - und findet das Leck nicht.

Was du bei der Auswahl des Dienstleisters beachten musst

Nicht jeder, der einen Detektor hat, ist ein Experte. Die Zertifizierung ist entscheidend.

  • Tracergas: Erfordert eine Zertifizierung nach TRGS 520 - mindestens 40 Stunden Schulung.
  • Thermografie: Erfordert DIN EN 473 (Stufe 1) - 80 Stunden Ausbildung.
  • Fehlerquote bei unzertifiziertem Personal: 38,7 %. Bei zertifizierten Fachkräften: 4,3 %.

Die Versicherungen haben das seit Anfang 2025 streng gemacht: Nur noch zertifizierte Methoden werden erstattet. Wenn dein Versicherer dir einen Schaden zahlt, muss er nachweisen können, dass die Ortung nach VDS 3020 (09/2024) erfolgt ist - inklusive Dokumentation mit Zeitstempel und GPS-Koordinaten.

Frage deshalb immer: „Welche Methoden verwenden Sie?“ und „Haben Sie die Zertifikate?“ Ein seriöser Anbieter zeigt sie dir sofort. Die besten Anbieter nutzen auch mobile Apps wie „LeckFinder Pro“ - die 98,3 % der Nutzer positiv bewerten - um alle Messpunkte digital zu dokumentieren.

Vergleich von beschädigtem Rohr mit Schimmel und repariertem Rohr mit digitalen Messdaten.

Wie viel kostet das?

Die Kosten liegen bei durchschnittlich 185,50 € pro Stunde. Die Mindestgebühr beträgt 295 € - unabhängig davon, wie lange die Ortung dauert. Eine typische Ortung mit zwei Methoden dauert 92 Minuten. Das macht in der Regel 450-650 € aus.

In Ballungsräumen wie Wien, Graz oder Linz sind die Preise um 23,7 % höher. In ländlichen Gegenden ist es günstiger - aber auch die Anbieter sind seltener. Die Erfolgsquote ist dort oft niedriger, weil weniger Erfahrung vorhanden ist.

Ein Leck zu finden, kostet mehr als ein Wasserhahn zu wechseln. Aber es kostet weniger als ein ganzer Boden, eine Wand oder ein Dach zu sanieren. Die Reparaturkosten sinken durch präzise Ortung um durchschnittlich 42 %.

Was kommt als Nächstes?

Der Markt verändert sich. Seit Oktober 2025 schreibt die VDS 3020 vor: Bei Schäden über 5.000 € müssen mindestens zwei Methoden eingesetzt werden. Das ist keine Empfehlung - das ist Gesetz.

Die Europäische Norm EN 16937 wird im März 2026 die ersten einheitlichen Standards für ganz Europa einführen. Danach wird es keine „Bauernmethode“ mehr geben. Wer nicht zertifiziert ist, wird vom Markt verschwinden.

Die Zukunft liegt in der Kombination - und in der Digitalisierung. Die neuen KI-gestützten Rastermessgeräte, die Daten aus Hunderten von Messpunkten analysieren, werden die Fehlerquote weiter senken. Die Akustikmethode wird in zehn Jahren nur noch bei 12 % der Einsätze verwendet - heute ist es noch 38 %.

Wenn du ein Leck vermutest: Zögere nicht. Warte nicht, bis der Boden nachgibt. Suche dir einen zertifizierten Fachmann - mit zwei Methoden. Du sparst Geld, Zeit und Nerven. Und vielleicht dein Zuhause.

Kann ich ein Leck selbst finden?

Selbst mit einem günstigen Feuchtigkeitsmesser aus dem Baumarkt kannst du nur Oberflächenfeuchte erkennen - nicht das Leck selbst. Die meisten Lecks laufen unsichtbar in der Wand oder unter dem Estrich. Die Geräte, die wirklich funktionieren, kosten mehr als 2.000 € und erfordern jahrelange Ausbildung. Selbst bei einem klaren Verdacht: Lass es von einem zertifizierten Fachmann prüfen. Ein falscher Ansatz kostet mehr als eine professionelle Ortung.

Warum funktioniert Thermografie nicht bei Kaltwasserleitungen?

Thermografie misst Temperaturunterschiede. Kaltwasser hat meistens eine Temperatur nahe der Raumtemperatur - besonders in gut gedämmten Häusern. Wenn das Rohr 8 °C hat und die Wand 10 °C, ist der Unterschied zu gering, als dass die Kamera ihn erkennen könnte. Die Mindestdifferenz liegt bei 2 °C - bei Kaltwasserleitungen ist das selten gegeben. Deshalb ist Thermografie nur für Warmwasser geeignet.

Was passiert, wenn das Leck nicht gefunden wird?

Der Schaden wächst - langsam, aber stetig. Feuchtigkeit dringt in Holz, Putz und Dämmung ein. Schimmel bildet sich. Die Tragfähigkeit von Balken oder Bodenplatten nimmt ab. Nach 1-2 Jahren kann ein kleines Leck zu einem Schaden von 20.000 € oder mehr führen. Die Versicherung zahlt oft nur, wenn du nachweisen kannst, dass du angemessen gehandelt hast. Wer nichts unternimmt, riskiert nicht nur sein Zuhause - sondern auch die Versicherungsleistung.

Ist eine Rohrkamera nützlich?

Rohrkameras sind nur bei sichtbaren Leitungen nützlich - also in Kellern, bei offenen Rohrleitungen oder bei Abwasserleitungen. Sie können nicht durch Wände oder Estrich sehen. Bei verdeckten Leitungen in Wänden oder Fußböden helfen sie nicht. Sie sind kein Ersatz für Tracergas oder Thermografie. Aber sie können als ergänzende Methode dienen, wenn das Leck an einem sichtbaren Anschluss liegt - z. B. bei einer Heizungsanlage im Keller.

Wie lange dauert eine Leckageortung?

Bei einem Einfamilienhaus mit einer Leckverdachtsstelle dauert eine Kombination aus zwei Methoden durchschnittlich 92 Minuten. Die Vorbereitung (Entleeren, Druckprüfung, Temperatur stabilisieren) nimmt 45-60 Minuten in Anspruch. Die eigentliche Ortung - also das Messen - dauert 30-60 Minuten. Bei größeren Objekten wie Mehrfamilienhäusern oder Gewerbeimmobilien kann es bis zu 4-6 Stunden dauern, besonders wenn mehrere Leckstellen vermutet werden.

Kann ich das Leck selbst reparieren, nachdem es gefunden wurde?

Ja - aber nur, wenn du Erfahrung hast. Die Ortung ist der schwierige Teil. Die Reparatur ist oft technisch einfach: Ein Rohrabschnitt austauschen, eine Dichtung wechseln, einen Anschluss neu verpressen. Aber: Wenn du die Leckstelle falsch einschätzt - etwa weil du nicht weißt, ob das Rohr aus Kupfer, PE-X oder Stahl ist - machst du es schlimmer. Außerdem: Die Reparatur muss dicht sein. Und das erfordert Fachwissen. Die meisten Handwerker empfehlen: Lass die Reparatur vom gleichen Unternehmen machen, das das Leck gefunden hat. Sie kennen das System und garantieren die Arbeit.