Putzfassade reinigen und streichen: Schritt-für-Schritt-Anleitung mit richtigen Materialien

Putzfassade reinigen und streichen: Schritt-für-Schritt-Anleitung mit richtigen Materialien

Warum deine Putzfassade nicht einfach nur angestrichen werden darf

Du siehst, wie die Farbe an deiner Fassade abblättert, Algen und Moos sich in den Ritzen festsetzen und die Wand grau und trist wirkt? Du denkst, ein neuer Anstrich löst das Problem? Das ist ein häufiger Fehler. Eine Putzfassade zu streichen, ohne sie vorher richtig zu reinigen, ist wie einen neuen Teppich auf einem schmutzigen Boden legen - es sieht kurzfristig besser aus, aber der Schaden bleibt. Die echte Lösung ist ein zweistufiger Prozess: reinigen und dann erst streichen. Wer das überspringt, riskiert Schimmel, Feuchtigkeitsschäden und einen Anstrich, der nach zwei Jahren wieder abplatzt.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Fassadensanierung?

Nicht jedes Haus braucht alle fünf Jahre eine neue Farbe. Die Faustregel: alle 8 bis 12 Jahre. Aber das hängt von der Lage ab. Eine Fassade, die voll im Wind und Regen steht - etwa auf einem Hügel oder in einer offenen Gegend - braucht schon nach 6 bis 8 Jahren neue Farbe. Eine geschützte Seite, etwa unter einem Vordach oder im Innenhof, hält oft bis zu 15 Jahre. Achte auf diese Anzeichen: Wenn die Farbe matt wird, sich Blasen bilden, oder du grüne oder schwarze Flecken siehst, die sich nicht mit Wasser abwaschen lassen, ist es Zeit. Ein leichter Bewuchs ist normal, aber wenn er sich ausbreitet, wird er zur Gefahr. Die Feuchtigkeit dringt unter die Farbe, der Putz löst sich auf, und am Ende steht ein teurer Neuauftrag.

Was du brauchst: Die richtigen Materialien für den Job

Ein Hochdruckreiniger ist kein Muss, aber er macht die Arbeit viel einfacher. Wichtig ist: Nicht jede Fassade verträgt ihn. Alte, lockere Putze oder Klinker können beschädigt werden. Prüfe zuerst an einer kleinen Stelle. Für die Reinigung brauchst du:

  • Fassadenreiniger (z. B. Alpina FassadenReiniger)
  • Algizid (für stark bewachsene Flächen)
  • Hochdruckreiniger mit breiter Düse (40°-60° Winkel)
  • Stabile Leiter oder Podest
  • Malerspachtel und Abdeckfolie
  • UV-beständiges Malerband (für Kunststofffenster)
  • Gepolsterte Farbwalze (für grobe Putze mit 3-5 mm Körnung)
  • 50-75 mm breiter Pinsel für Ecken
  • Fassadenfarbe mit Algizid und Biozid (z. B. Baumit, Weber oder Caparol)

Die Farbe muss speziell für Außenwände entwickelt sein. Normale Innenfarbe hält nicht. Achte auf die Angabe „wasserdampfdurchlässig“ - das ist wichtig, damit die Wand atmen kann. Fertigprodukte mit integriertem Schutz gegen Algen und Pilze sind die beste Wahl. Die Kosten liegen zwischen 5 und 12 Euro pro Quadratmeter, je nach Qualität.

Schritt 1: Die Fassade gründlich reinigen

Beginne oben und arbeite dich nach unten vor. So fließt der Schmutz nicht auf bereits gereinigte Flächen. Trage Schutzbrille und Handschuhe. Decke Pflanzen, Fenster und Türen mit Folie ab. Nutze das Malerband, um Fensterrahmen abzudecken - besonders bei Kunststoff, denn normales Klebeband reißt ab, wenn es Sonne abbekommt.

Wenn du einen Hochdruckreiniger verwendest, halte den Strahl mindestens 30 cm von der Wand entfernt. Zu nah = beschädigter Putz. Arbeite in waagerechten Bahnen, nicht senkrecht. Nach dem Reinigen spülst du die Wand mit klarem Wasser ab - von oben nach unten. Lass sie jetzt trocknen. Das dauert 24 bis 72 Stunden, je nach Wetter. Keine Eile. Wenn die Wand noch feucht ist, dringt die Farbe nicht ein, und sie hält nicht.

Bei starkem Algenbefall: Nach dem Abwaschen mit Wasser trage ein Algizid auf. Lass es 24 Stunden einwirken, dann spüle es wieder ab. Das tötet die Sporen ab und verhindert, dass sie nach dem Streichen zurückkommen.

Gereinigte Fassade mit frisch aufgetragener Grundierung und Anstrich unter morgendlichem Licht.

Schritt 2: Grundieren - das Geheimnis für lange Haltbarkeit

Nicht alle Fassaden brauchen eine Grundierung. Wenn der Putz intakt ist und nicht zu saugfähig, kannst du direkt streichen. Aber wenn die Farbe stark abgeblättert ist, oder der Putz porös wirkt, brauchst du eine Grundierung. Verwende eine wasserbasierte Fassadengrundierung. Verdünne die erste Farbschicht mit bis zu 10 % Wasser. Das macht sie flüssiger, sodass sie tiefer in den Putz eindringt und wie ein Kleber wirkt. Ohne diese Schicht haftet die Deckfarbe schlecht - und das ist der Hauptgrund, warum Laien nach zwei Jahren schon wieder ran müssen.

Schritt 3: Streichen - so geht’s richtig

Arbeite immer bei trockenem Wetter, zwischen 8 und 25 Grad Celsius. Kein Regen in den nächsten 24 Stunden. Beginne mit den Ecken, Fensterrahmen und schwer zugänglichen Stellen - mit dem Pinsel. Dann nimm die Walze. Verwende eine gepolsterte Walze für grobe Putze, eine glatte für glatte Flächen. Die Technik heißt „nass in nass“: Streiche eine Fläche, ohne sie trocknen zu lassen, und arbeite sofort in die nächste. So entstehen keine Streifen. Arbeite in Kreuzgang-Technik: Zuerst senkrecht, dann waagerecht. Das sorgt für eine gleichmäßige Verteilung.

Vermeide Fettkanten! Wenn du an einer Außenkante arbeitest, sammelt sich Farbe an. Rolle sie sofort mit der Walze ab, bevor sie trocknet. Sonst bleibt ein dicker, unschöner Rand. Die zweite Schicht kommt erst nach mindestens 24 Stunden. Manche Farben brauchen 48 Stunden. Lies die Packungsanweisung. Ein dünner, gleichmäßiger Anstrich hält länger als ein dicker, schlecht verteilter.

Wie lange hält ein neuer Anstrich?

Ein professionell durchgeführter Anstrich hält 10 bis 12 Jahre. Ein selbst gemachter - wenn er nicht richtig vorbereitet wurde - nur 5 bis 7 Jahre. Das liegt nicht an der Farbe, sondern an der Vorbereitung. Eine Studie von Sanier.de zeigt: Nur 62 % der Laienversuche halten länger als fünf Jahre. Profis erreichen 95 % Erfolgsquote. Warum? Sie reinigen richtig, trocknen lange genug und nutzen die richtigen Produkte. Wer spart, indem er selber macht, zahlt langfristig mehr. Die Materialkosten für ein Einfamilienhaus (ca. 150 m²) liegen zwischen 1.200 und 2.850 Euro. Dazu kommen Arbeitszeiten - etwa 25 bis 50 Stunden. Aber du sparst dir Ärger, Reparaturen und den Stress, nach drei Jahren wieder ranzugehen.

Zeitlich gestaffelte Darstellung einer Fassadensanierung: verschmutzt, gereinigt, neu gestrichen.

Was du auf keinen Fall tun darfst

  • Nicht mit einer Bürste und Wasser reinigen - das reicht nicht gegen Algen.
  • Nicht mit normalem Malerband abkleben - es löst sich bei Sonne auf.
  • Nicht bei Regen oder Frost streichen - die Farbe friert oder läuft.
  • Nicht die Trocknungszeit ignorieren - das ist der häufigste Fehler.
  • Nicht das Abwasser einfach in die Gosse laufen lassen - Algizide sind umweltschädlich und verboten, wenn sie nicht fachgerecht entsorgt werden.

Die Sicherheit nicht vergessen

Stabile Leitern oder Podeste sind Pflicht. Kein Holzstuhl, kein Karton, keine Kiste. Wenn du über 2,5 Meter arbeitest, brauchst du eine Teleskopstange für die Walze - aber nur bei glatten Putzen. Bei groben Putzen ist die Arbeitshöhe auf 2 Meter zu begrenzen, sonst verlierst du die Kontrolle über die Farbmenge. Trage Schutzhandschuhe, eine Atemschutzmaske, wenn du chemische Reiniger verwendest, und eine Sonnenbrille. Die Sonne auf der Fassade ist stärker als du denkst.

Was kommt danach?

Nach dem Streichen: Beobachte. Im ersten Jahr prüfe zweimal - im Frühling und Herbst - ob sich neue Flecken bilden. Reinige sie sofort mit einem weichen Schwamm und klarem Wasser. Keine Chemie. Ein leichter Bewuchs lässt sich so entfernen, bevor er sich festsetzt. Ein jährlicher Check ist die beste Versicherung gegen teure Folgeschäden. Und wenn du merkst, dass du nicht mehr weiterkommst - ruf einen Profi. Ein guter Maler sieht auf den ersten Blick, ob der Putz noch intakt ist oder ob er abgesprungen ist. Dann ist ein Neuauftrag nötig - nicht nur eine neue Farbe.

Warum du nicht alles selber machen solltest

Es ist möglich, eine Fassade selbst zu streichen. Aber es ist kein Wochenendprojekt. Es ist ein Projekt, das Wetter, Zeit, Werkzeug und Geduld braucht. Und wenn du etwas falsch machst, kostet es mehr als ein Profi. Ein Fachbetrieb arbeitet mit professionellen Geräten, kennt die richtigen Produkte und weiß, wie man Schäden am Putz erkennt. Wenn du unsicher bist - lass dich beraten. Ein Beratungsgespräch mit einem Malermeister kostet oft nichts. Und es spart dir Jahre Ärger.