Wenn du im Bad einen schwarzen, filzigen Belag an den Fugen zwischen Wanne, Dusche oder Waschbecken siehst, dann ist das nicht nur unschön - das ist Schimmel. Und nein, mit Essig oder Chlor reinigen reicht nicht. Der Schimmel wächst nicht nur an der Oberfläche, er hat sich tief in das alte Silikon und oft sogar in den Untergrund gefressen. Wer nur die Oberfläche saubermacht, täuscht sich: Innerhalb von Wochen kehrt er zurück, oft noch aggressiver. Die einzige wirklich dauerhafte Lösung: Das alte Silikon komplett entfernen und durch ein neues, schimmelschützendes ersetzen. Kein Überstreichen. Kein Trick. Nur sauber raus, sauber rein.
Warum du das alte Silikon komplett rausnehmen musst
Viele versuchen es mit dem schnellen Weg: Neues Silikon einfach über das alte ziehen. Klingt logisch, funktioniert aber nicht. Studien von Sanier.de zeigen: In 92 % der Fälle bildet sich innerhalb von 12 Monaten erneut Schimmel - und zwar genau dort, wo das alte Silikon unter dem neuen liegt. Die Sporen überleben. Sie schlafen. Und sobald Feuchtigkeit kommt, wachen sie auf. Laut der Deutschen Gesellschaft für Schimmelschutz (DGS) sind in 78 % der untersuchten Badezimmer in Deutschland Schimmelsporen in oder unter Silikonfugen nachweisbar. Die häufigsten Arten: Aspergillus und Penicillium. Beide können Atemwegsreizungen, Allergien und bei langfristiger Belastung sogar ernsthafte Gesundheitsprobleme verursachen. Und das alles nur, weil jemand dachte, ein neuer Streifen Silikon reicht. Die Wahrheit: Nur wenn du das alte Silikon komplett entfernst - bis auf den leeren, sauberen Untergrund - hast du eine echte Chance auf ein schimmelfreies Bad für Jahre. Die Erfolgsquote bei korrekter Durchführung liegt bei 96,4 % über fünf Jahre. Das ist kein Zufall. Das ist Technik.Was du brauchst: Werkzeuge und Materialien
Du brauchst nicht viel, aber du brauchst das Richtige. Hier ist die Liste, die wirklich funktioniert:- Fugenkratzer mit 15-20 mm Breite (z. B. Würth)
- Cuttermesser mit abbrechbaren Klingen (Stanley FatMax empfohlen)
- Japanspachtel (10-15 mm Breite) für feine Reste
- Silikonentferner auf Dimethylformamid-Basis (z. B. Soudal Silicone Remover)
- Primer für Silikon (z. B. Soudal Primer 2000)
- Sanitärsilikon mit antimykotischer Wirkung - muss DIN EN ISO 11600 entsprechen
- Malerkrepp (zum Abkleben der Kanten)
- Fugenglätter (aus Kunststoff oder Gummi)
- Putzlappen und Alkohol (für Fettentfernung)
Wichtig: Kein Aceton! Es greift Keramik und Fliesen an und hinterlässt mikroskopische Risse - perfekte Eintrittspforten für den nächsten Schimmel. Auch normale Haushaltsreiniger reichen nicht. Du brauchst speziellen Silikonentferner.
Beim Silikon selbst: Achte auf die Kennzeichnung „antimykotisch“ und „für Sanitäranwendungen“. Empfohlene Produkte: Sista Sanitärsilikon von Henkel (ab 4,99 €/85 ml) oder Würth Sanitär-Silikon (7,49 €/280 ml). Beide haben seit 2023 verbesserte Wirkstoffe, die Schimmel aktiv unterbinden. Der Marktanteil solcher Produkte ist von 42 % im Jahr 2020 auf 68 % im Jahr 2022 gestiegen - weil Leute endlich lernen, dass es keine Kompromisse gibt.
Schritt-für-Schritt: So entfernst du das alte Silikon
Arbeite immer in gut belüftetem Raum. Trage Handschuhe und eine Maske, wenn du stark befallene Fugen bearbeitest. Hier die genaue Reihenfolge:
- Reinigung mit Schimmelentferner: Sprühe den Schimmelbereich großzügig ein. Lass mindestens 15 Minuten einwirken. Bei starkem Befall wiederholst du das drei Mal. Wichtig: Nicht abwischen - der Wirkstoff muss arbeiten.
- Altes Silikon entfernen: Halte das Cuttermesser im 30-Grad-Winkel zur Fuge. Schneide vorsichtig, nicht tiefer als 2 mm. Ziel: Das Silikon lösen, ohne die Fliesen oder das Waschbecken zu zerkratzen. Nutze den Fugenkratzer, um größere Streifen abzuziehen.
- Reste mit Japanspachtel entfernen: Nach dem Schnitt bleiben oft dünne, zähe Streifen. Der Japanspachtel ist perfekt dafür - er gleitet glatt über die Fliese, ohne zu kratzen.
- Restsilikon mit Entferner lösen: Trage Silikonentferner auf die restlichen Rückstände auf. Lass 30 Minuten einwirken. Dann abwischen mit einem sauberen Tuch. Wiederhole, wenn nötig. Die Fläche muss jetzt wie neu aussehen - kein kleiner Fleck, kein kleiner Faden.
- Trocknen lassen: Jetzt kommt der kritischste Schritt. Die Fläche muss 100 % trocken sein. Das bedeutet: Mindestens 24 Stunden bei 20 °C Raumtemperatur. Keine Ausnahmen. Wenn die Restfeuchtigkeit über 5 % liegt, haftet das neue Silikon um 63 % schlechter. Das ist kein Mythos - das ist ein Laborwert von Norax.
- Primer auftragen: Trage eine dünne Schicht Primer auf die Fugenränder auf. Das verbessert die Haftung des neuen Silikons. Lass 2 Stunden trocknen.
So ziehst du die neue Fuge perfekt
Jetzt ist das Silikon an der Reihe. Hier kommt es auf Feinheiten an.
Verwende eine Spritze oder eine Fugenspritze. Schneide die Spitze schräg an - nicht zu groß, nicht zu klein. Ideal: 4-6 mm Öffnung. Halte die Spritze im 45-Grad-Winkel zur Fuge. Drücke gleichmäßig - etwa 12-15 Newton Kraft. Das ist nicht zu viel, nicht zu wenig. Wenn du zu wenig Druck ausübst, bleibt die Fuge hohl. Zu viel, und das Silikon quillt über.
Gehe langsam, kontinuierlich. Keine Pausen. Wenn du unterbrechst - wie ein Nutzer auf Reddit beschreibt - entsteht an der Stelle ein Schwachpunkt. Und dort wächst nach vier Monaten wieder Schimmel.
Innerhalb von 8-10 Minuten nach dem Auftrag (maximal 15 Minuten bei 22 °C) glättest du die Fuge. Tauche den Fugenglätter in lauwarmes Seifenwasser. Das verhindert, dass das Silikon am Werkzeug klebt. Führe ihn in einer kontinuierlichen Bewegung entlang der Fuge. Nicht drücken - nur gleiten lassen. Die Fuge sollte jetzt glatt, rund und gleichmäßig sein. Keine Rillen. Keine Mulden.
Ein Tipp von erfahrenen Heimwerkern: Klebe die Fugenränder vor dem Auftragen mit Malerkrepp ab. Das gibt dir saubere, gerade Kanten - wie von einem Profi. Nach dem Glätten ziehst du den Klebeband vorsichtig ab, bevor das Silikon vollständig trocken ist.
Warum das selbst machen so viel Geld spart
Ein Handwerker verlangt im Durchschnitt 185,50 € für den Austausch aller Silikonfugen im Bad. Die Materialkosten für dich? Zwischen 12,90 € und 24,50 €. Das ist ein Unterschied von mehr als 160 €. Und das, obwohl du genau das gleiche Material verwendest - oft sogar von denselben Herstellern.
Die Zeit? Ca. 2,5 Stunden pro Bad. Nichts, was einen Tag ruinieren würde. Und wenn du es einmal gelernt hast, kannst du es in jedem Bad wiederholen - auch in der Wohnung der Eltern, im Ferienhaus, bei Freunden. Es ist eine Fähigkeit, die dich unabhängig macht.
Ein Nutzer namens „Sanierfreund87“ schrieb im OBI-Forum: „Habe 178,30 € gespart. Und jetzt schaue ich jeden Tag auf die Fugen - und bin stolz.“
Die häufigsten Fehler - und wie du sie vermeidest
Die meisten Misserfolge passieren nicht wegen schlechtem Silikon. Sie passieren, weil die Vorbereitung nicht sauber war. Laut Experten von OBI und dem Institut für Bauschadensanalyse München sind 87 % der selbst erneuerten Fugen nach kurzer Zeit wieder schimmelig - nicht wegen des Materials, sondern wegen des Untergrunds.
Drei Fehler, die du unbedingt vermeiden musst:
- Zu wenig Trocknungszeit: 54,3 % aller Misserfolge. 24 Stunden sind die absolute Mindestzeit. Wenn du es eilig hast, wirst du es bereuen.
- Zu schnelles Glätten: 28,7 % der Probleme. Wenn das Silikon noch zu weich ist, verformst du die Fuge. Warte 8-10 Minuten.
- Falscher Ansetzwinkel: 17,1 %. Wenn du das Silikon im 90-Grad-Winkel aufträgst, bleibt es nicht in der Fuge - es quillt raus. 45 Grad ist die Goldene Mitte.
Und noch ein Hinweis: Verwende niemals normales Badreiniger oder Essigessenz als Ersatz für Silikonentferner. Die wirken nicht tief genug. Und sie hinterlassen Rückstände, die das neue Silikon nicht haften lassen.
Was kommt danach? Langfristiger Schutz
Einmal gemacht - und fertig? Nein. Ein neues Silikon ist nicht unzerstörbar. Aber es hält 5,8 Jahre, wenn du es richtig gemacht hast. Professionell verarbeitet: bis zu 7,2 Jahre.
Um die Lebensdauer zu verlängern: Lüfte nach dem Duschen mindestens 15 Minuten. Nutze eine Abluftanlage, wenn vorhanden. Vermeide Wasserpfützen an den Fugen. Und wenn du merkst, dass die Fuge an einer Stelle leicht nachgibt oder sich abhebt - ersetze sie sofort. Kleine Löcher sind Eintrittspunkte.
Der Markt entwickelt sich: Henkel hat im März 2023 ein „intelligentes“ Silikon eingeführt - Sista SanitärSilicon Active. Es aktiviert seine antimykotische Wirkung erst, wenn Feuchtigkeit ankommt. Das ist der nächste Schritt. Aber für jetzt: Ein gutes, antimykotisches Sanitärsilikon, richtig verarbeitet, ist noch immer die beste Lösung.
Und wenn du es einmal gemacht hast? Dann wirst du nie wieder einen Handwerker für diese Aufgabe rufen. Du wirst wissen: Ich kann das. Und das ist der beste Schutz gegen Schimmel - Wissen.
Kann ich Schimmel im Silikon einfach mit Chlor reinigen?
Nein. Chlor tötet zwar oberflächlichen Schimmel, greift aber das Silikon an. Nach 3-4 Behandlungen wird das Material porös, brüchig und lässt Wasser eindringen. Der Schimmel kehrt schneller zurück - und tiefer. Die einzige dauerhafte Lösung ist der vollständige Austausch des Silikons.
Wie lange muss das neue Silikon trocknen, bevor ich duschen kann?
Mindestens 24 Stunden. Auch wenn das Silikon nach 6-8 Stunden oberflächlich trocken ist, braucht es 24 Stunden, um vollständig zu vulkanisieren und wasserdicht zu werden. Früheres Duschen kann die Fuge verformen oder die Haftung schwächen.
Welches Silikon ist am besten für das Bad?
Nur Sanitärsilikon mit antimykotischer Wirkung, das nach DIN EN ISO 11600 zertifiziert ist. Empfohlen: Sista Sanitärsilikon von Henkel oder Würth Sanitär-Silikon. Beide enthalten spezielle Zusätze, die Schimmelpilze langfristig unterbinden. Achte auf das Label „für Sanitäranwendungen“.
Darf ich das alte Silikon mit einem Bohrer entfernen?
Nein. Ein Bohrer oder eine Bohrmaschine zerstört den Fugenrand und kann Fliesen oder das Waschbecken beschädigen. Nutze immer ein Cuttermesser und einen Fugenkratzer. Das ist präziser, sicherer und schonender für die Untergründe.
Warum klebt mein neues Silikon nicht?
Meistens liegt es an Restfeuchtigkeit oder Fett. Der Untergrund muss absolut trocken und fettfrei sein. Reinige mit Alkohol, nicht mit Aceton. Und verwende immer einen Primer - er ist die unsichtbare Brücke zwischen Untergrund und Silikon. Ohne Primer ist die Haftung unsicher.